Guide · Marcel Steiert

Drei Fragen für deinen ersten echten Fall

Du musst Claude nicht erst wochenlang einrichten, bevor er dir etwas bringt. Du fängst mit einer einzigen echten Aufgabe an. Hier sind die drei Fragen, mit denen ich so einen Fall starte.

Am Ende hast du zwei Dinge: eine brauchbare Antwort auf eine echte Anfrage und eine kurze Liste mit dem, was Claude über deinen Betrieb wissen muss. Diese Liste ist deine erste Ordnung. Alles Weitere wächst daraus.

1. Der Fall. Claude fragt dich zuerst alles, was ihm fehlt, statt zu raten.
2. Die Antwort. Claude schreibt so, wie du schreiben würdest, und markiert, wo er etwas annehmen musste.
3. Die erste Ordnung. Claude fasst zusammen, was er über deinen Betrieb gelernt hat. Das speicherst du.

Funktioniert auf claude.ai im Browser, in der Desktop-App und in der Handy-App, auch im kostenlosen Plan. Stand: Oktober 2026.

Vorher: eine echte Aufgabe, ohne Namen

Nimm keine ausgedachte Testaufgabe. Nimm etwas, das gerade wirklich in deinem Postfach liegt, zum Beispiel eine Kundenanfrage, eine Reklamation oder eine Preisanfrage. Nur an einem echten Fall merkst du, was Claude über deinen Betrieb wissen muss.

Bevor du etwas einfügst: Namen, Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Kundennummern und Kennzeichen raus. Ersetz sie durch Platzhalter wie [Kunde] oder [Fahrzeug]. Für die Antwort braucht Claude den Inhalt der Anfrage, nicht die Person dahinter.

Die drei Fragen

Öffne einen neuen Chat und arbeite die drei Fragen nacheinander ab. Erst wenn Claude mit einer fertig ist, kommt die nächste.

  1. Frage 1: Der Fall

    Kopier den Text, füg die anonymisierte Anfrage unten an und schick beides ab. Dann beantwortest du Claudes Fragen, eine nach der anderen. Wenn du etwas nicht weißt oder nicht sagen willst, schreib das einfach.

    Frage 1
    Hier ist eine echte Anfrage aus meinem Betrieb. Bevor du irgendetwas schreibst: Was musst du über mich, meinen Betrieb und diesen Kunden wissen, um sie richtig gut zu beantworten? Stell mir deine Fragen, eine nach der anderen.
    
    [Anfrage hier einfügen, ohne Namen und Kontaktdaten]
  2. Frage 2: Die Antwort

    Wenn Claude genug weiß, lässt du ihn schreiben. Die markierten Stellen zeigen dir, wo er noch geraten hat. Genau dort fehlt ihm Wissen über deinen Betrieb.

    Frage 2
    Danke. Schreib jetzt die Antwort so, wie ich sie selbst schreiben würde. Markiere jede Stelle, an der du etwas annehmen musstest.

    Lies die Antwort, bevor sie rausgeht. Was Claude angenommen hat, prüfst du und korrigierst es im Chat. Verschickt wird nur, was du freigibst.

  3. Frage 3: Die erste Ordnung

    Jetzt holst du aus dem Gespräch heraus, was beim nächsten Mal wieder gebraucht wird.

    Frage 3
    Fass zusammen, was du in diesem Gespräch über meinen Betrieb gelernt hast, das du beim nächsten Mal wieder brauchst. Kurz, als Stichpunkte, damit ich es speichern kann.

Warum das funktioniert

Anthropic, die Firma hinter Claude, beschreibt Claude in der eigenen Prompting-Anleitung als brillanten, aber neuen Mitarbeiter, dem der Kontext zu deinen Abläufen fehlt. Mit Frage 1 drehst du das um: Statt dass du raten musst, was Claude wissen sollte, sagt er es dir selbst. Meist geht es um drei Dinge: deine Preise, deinen Ton und deine Abläufe.


Was du dir aufschreibst

Die Stichpunkte aus Frage 3 kopierst du in eine Notiz. Prüf sie kurz: Stimmt alles? Fehlt etwas Wichtiges? Steht dort etwas, das nicht rausgehen darf? Dann streichst du es. So kann das nach dem ersten Fall aussehen:

Beispiel: meine erste Ordnung
# Was Claude über meinen Betrieb wissen muss

## Preise
- [z. B. Stundensatz, Pauschalen, ab welchem Betrag ich ein Angebot schreibe]

## Ton
- [z. B. du oder Sie, kurz und direkt, keine Floskeln, Gruß mit Vornamen]

## Abläufe
- [z. B. Termine nur über das Büro, Rückmeldung innerhalb von 24 Stunden]

## Was nie in eine Antwort gehört
- [z. B. Rabatte ohne Rücksprache, Zusagen zu Lieferterminen]

Beim nächsten Fall fügst du diese Notiz am Anfang des Chats ein. Claude fragt dann weniger, und was er trotzdem fragt, ergänzt du in der Notiz.


Ein System brauchst du trotzdem, nur danach

Wenn dieselbe Art Aufgabe zum dritten Mal kommt, lohnt sich ein eigener Bereich dafür. Auf claude.ai heißt das Projekt. Dann legst du deine Notiz einmal ab und musst sie nicht mehr in jeden Chat kopieren.

  1. Projekt anlegen

    Links auf Projects (oder direkt claude.ai/projects), dann oben rechts + New Project. Gib ihm einen klaren Namen, z. B. „Kundenanfragen“.

  2. Notiz hineinlegen

    Im Projekt auf Set project instructions klicken, die Stichpunkte einfügen und mit Save instructions speichern. Ab dann gelten sie in jedem Chat dieses Projekts.

  3. Weiter wachsen lassen

    Jedes Mal, wenn Claude in diesem Projekt etwas fragt, das er schon wissen müsste, kommt die Antwort in die Projekt-Anweisungen. So baust du nichts auf Verdacht, sondern nur das, was du wirklich jeden Tag brauchst.

Projekte gibt es laut Claude-Hilfe auf allen Plänen. Im kostenlosen Plan sind es höchstens fünf, ab Pro unbegrenzt.


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